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Rückkehr nach Alptraum ohne Ende

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1016 BF Rückkehr nach Alptraum ohne Ende
ZEITRAUM

Torbens Ankunft

Die Mittagssonne brannte in ihrer vollen Kraft auf das gebirgige Land nieder. Die Luft flimmerte, selbst für Mitte Rondra war es ein ausgesprochen heißer und schwüler Tag. Yako genoss solche Tage, sie erinnerten sie an das Regengebirge, ihrer Heimat, immer noch hatte sie sich nicht an das relativ kühle Wetter hier in Thorwal gewöhnt und das obwohl sie mittlerweile seit fast 7 Jahren hier wohnte.

Gedankenverloren starrte Yako die gelbliche Scheibe hoch über dem Horizont an, als plötzlich Kindergeschrei sie wieder in die Realität zurückholte. „Bei Swafnir! Wir werden diese Al’Anfanischen Schurken töten!“ schrie Frenjar als er, von Miniwatu und Asleif begleitet, mit einer Holzschale auf dem Kopf und ihren Holzschwertern an ihr vorbeilief. Gerade wollte sie die Kinder zurechtweisen, weil sie wieder quer durch das Gemüsebeet rannten. Doch hielt sie sich dann doch noch zurück, war es doch schön die Kinder wieder einmal fröhlich zu sehen. Den Kindern fehlte ihr Vater und auch sie vermisste ihren Mann Torben.

Dieser war sei nun beinahe 4 Monden unterwegs um seine alten Freunde zu treffen. Er wartete damals noch die Geburt von Sindara ab, um gleich am folgenden Tag Richtung Baliho aufzubrechen. Sie wusste, dass er seinen Freiraum brauchte, trotzdem wollte sie, dass er in ihrer Nähe blieb. In ihrem Dorf war es nicht üblich gewesen, dass jemand solange fort war. Sie war es gewohnt, ihre Freunde und Verwandten immer um sich herum zu haben. Aber sie wusste ja, auf was sie sich einließ, als sie sich entschied diesem Nene-Nibunga, dieser Blashaut, zu folgen.

Anfangs vermisste Yako ihr Volk sehr, war doch Thorwal so anders. Das Land, die Bräuche, die Menschen es war so verschieden zu ihrer Heimat. Ist das Regengebirge für seine Hitze bekannt, so ist es Thorwal für die Kälte, ist in ihrer Heimat alles von Leben erfüllt, ist das Land hier karg und unfreundlich. Auch die Menschen sind sehr unterschiedlich, zwar sind die Thorwaler ein sehr offenes Volk, trotzdem haben sie sehr raue Sitten. Wenn sie auch sehr gastfreundlich sind, so machen sie auch gerne derbe Späße und es ist schwer zu entscheiden, wann es tatsächlich nur Späße sind und wann ein Thorwaler es ernst meint. Und das macht in diesem Land einen tödlichen Unterschied.

Sie bestand darauf, nicht in einer der großen thorwalschen Städte zu ziehen. Sie wusste damals einfach nicht, wie sie sich diesen großen, stämmigen, lauten Menschen gegenüber verhalten sollte. So zogen sie in ein altes verlassenes Bauernhaus in der Nähe von Kendrar. Grim half Torben und ihr das Haus bewohnbar zu machen. Torben ist zwar außergewöhnlich kräftig, allerdings nicht besonders geschickt mit den Fingern. Yako andererseits war sehr geschickt, hatte aber nicht viel Erfahrung mit dem Bau von Gebäuden dieser Art, dadurch war sie sehr dankbar, dass Torbens Freund ihnen seine Hilfe anbot.

Anfangs fühlte sie sich sehr einsam in diesem großen Haus. War doch Torben immer wieder unterwegs um ein paar Dukaten als Söldner zu verdienen. So blieben ihr anfangs ihr Bruder sowie die Zwillinge, Frenjar und Miniwatu, als Gesellschaft.

Mittlerweile ist um sie herum ein kleines Dorf gewachsen, neben ihrer eigenen Familie die schon 12 Personen umfasst, leben nun auch viele ehemalige Sklaven in der Nachbarschaft. Torben hat sich immer wieder Ottas angeschlossen, die in den Süden fuhren. Dort überfiel er Al’Anfanische Dörfer und deren Verbündeten. Neben der Beute, brachte er dann meist einige Sklaven mit, die dort befreit wurden und nicht wussten wohin sie sollten. Momentan leben 15 dieser Sklaven in ihrer näheren Umgebung. Der Großteil von ihnen sind Waldmenschen, aber auch zwei Tulamiden und Aranier sowie ein Bornländer und ein Novadi sind unter ihnen. Es war eine seltsame Mischkultur die sich hier entwickelt hatte, aber Yako genoss es, es war eine kleine Gemeinschaft, die sich untereinander half. Dies machte auch die häufige Abwesenheit Torbens etwas erträglicher.

Yako richtete ihren Blick Richtung Meer, in jene Richtung in die Torben sie damals, nach einem flüchtigen Abschiedskuss, mit Sindara und Juka auf dem Arm zurückgelassen hatte. Auch die anderen Kinder hatten sich um sie versammelt, um ihren Vater zu verabschieden. Liebevoll gab er jedem einzelnen der Kinder einen Kuss, bevor er sich auf sein Pferd setzte, um sich im lockeren Trapp auf den Weg zu machen.

Die älteren der Kinder liefen noch ein wenig hinter ihm her. Asleif hielt es am längsten durch, als alle anderen Kinder sich schon zu Boden fallen haben lassen, lief er mit Tränen in den Augen immer noch seinem Vater hinterher. Neben ihm traf es wohl Rahjalieb, eine der 4jährigen-Zwillingsschwestern, am härtesten, dass ihr Vater sie immer wieder zurücklies.

Sie wischte sich mit ihrem Ärmel den Schweiß aus dem Gesicht und wollte sich gerade wieder an die Gartenarbeit machen, als sie aus dem Augenwinkel eine Gestalt ausmachte. Sie schirmte die Sonne mithilfe ihrer Hand ab, um den Reisenden besser erkennen zu können. Die Bewegungen des Manns, der sein Pferd an der linken Hand den Weg herauf führte, wirkten seltsam vertraut. Yako lies die kleine Hacke fallen, mit der sie gerade den Garten bearbeitet hatte, um auf die Gestalt zuzulaufen, konnte es sein, ist er endlich zurückgekehrt?

Sie war sicher, dass der Reisende der ihr entgegenkam sie schon bemerkt hatte, trotzdem hatte sich sein Tempo nicht beschleunigt, im Gegenteil, der Mann schien eher langsamer zu werden. Seine Bewegungen wirkten erschöpft und ein wenig unsicher. Dies ließ sie erstmals zweifeln, Torben war wohl einer der selbstsichersten Menschen die sie kannte und normalerweise würde er, sobald er sie sah, auf sie zulaufen um sie zu begrüßen, so erschöpft könnte er gar nie sein. Von den Zweifeln gepackt verlangsamte auch sie ihr Tempo, um sich den Reisenden genauer anzuschauen.

Der muskelbepackte Körper ließ keinen Zweifel daran, dass dieser Reisende ein Thorwaler war. Von der Statur her hätte sie alles verwettet, dass dies ihr geliebter Ehemann ist, doch hatte er sein Gesicht gegen den Boden gewendet. Wenn es Torben war, warum sah er sie nicht an? Außerdem schien das Haar dieses Mannes viel zu hell zu sein, das waren nicht die Rotblonden Zöpfe Torbens, sie schienen eher weißblond zu sein. Wieder verlangsamte Yako ihr Tempo um nun langsam auf ihn zuzugehen, sie versuchte sein Gesicht zu erkennen, aber es war immer noch zu Boden gesenkt.

Als nur noch wenige Schritt zwischen ihnen lagen, blieb der Mann stehen. „Torben?“ flüsterte sie fragend, bevor sie vor ihm stehen blieb. Langsam hob der Mann sein Gesicht um ihr in die Augen zu sehen. Erschrocken wich sie einen Schritt zurück als sie in das Antlitz ihres Mannes sah. Nun war jeder Zweifel verflogen, ja es war Torben, der da vor ihr stand, aber er hatte sich deutlich verändert. Sein rotblondes Haar ist deutlich heller geworden, sein Gesicht war von vielen kleinen Fältchen überseht und auch die Augen wirkten müder und ein wenig verzweifelt. Torben sah aus als wäre er in den 4 Monaten um gut 15 Jahre gealtert.

Als er ihre Reaktion sah, ließ er seinen Kopf wieder sinken. Worauf Yako endlich ihren Schrecken überwand und ihn in seine Arme nahm und ihren Kopf an seine Brust drückte. Sie fühlte wie seine kräftigen Arme sich um sie schlossen um sie fest an seinen Körper zu drücken. Er gab ihr einen stillen Kuss auf ihr langes, glattes, schwarzes Haar. Keiner der beiden sagte auch nur ein Wort, der Moment schien eine Ewigkeit zu dauern.

„PAPA!“, erklang plötzlich ein Schrei aus dem Hintergrund, der gleich darauf von mehreren Kinderkehlen wiederholt wurde. Ein halbes Dutzend Kinder stürmten wie ein hungriges Rudel Wölfe auf die beiden eng Umschlungenen zu. Wenige Schritte vor ihrem Ziel kam der Tross zum Stillstand und starrten auf das fremde alte Gesicht, dass eindeutig ihrem Vater gehörte. „Papa?“ fragte He-Sche leise während sie schüchtern hinter ihren größeren Brüdern hervorlugt.

Yako befreite sich aus der Umarmung ihres Mannes und drehte sich zu den Kindern um. „Was ist, wollt ihr euren Vater nicht begrüßen?“, fragte sie während sie sich die Tränen aus den Augen wischte. Nach einigen Sekunden, die Torben wiederum wie eine Ewigkeit erschienen, stürmte Rahjalieb endlich vor um ihren Vater endlich zu umarmen, Asleif folgte sofort ihrem Beispiel. Torben bückte sich und hob jeden der beiden auf einem seiner Arme hoch. „Wo warst du solange?“ fragte ihn seine Tochter umschlang seinen Hals mit ihren kleinen Armen und kuschelte sich eng an ihn. „Viel zu weit weg von euch.“, flüsterte Torben leise, auch in seinen Augen glitzerten die Tränen, die er nur mit Mühe zurückhalten konnte. Die anderen Kinder hatten mittlerweile beschlossen, dass gealterte Gesicht zu ignorieren und gingen stattdessen über zu streiten, wer welches Bein umarmen dürfe. Worauf Torben erlöst lautstark auflachte.

Wie sehr hatte Yako doch dieses kräftige, ehrliche Lachen vermisst. Sie nahm die 3-jährige He-Sche auf den Arm und folgte Torben und den Kinder in Richtung des Hauses. Frenjar führte das Pferd mit sich. Auf dem Weg zur Hütte wurde Torben dann auch noch von den anderen Dorfbewohnern begrüßte, die von dem Tumult angelockt wurden. Jedem von ihnen war der Schrecken über das plötzliche Altern ihres Freundes anzusehen. Doch keiner sagte ein Wort. Auch Yako war klar, dass sie wohl erst eine Antwort auf diese Veränderung Torbens bekommen würde, wenn die Kinder im Bett sind.

Im Haus angekommen begrüßte Torben seine jüngeren Kinder, Melina, Askir, Huka und Sindara waren wohl noch zu jung um die Veränderungen an ihrem Vater zu bemerken, oder kannten sie ihn einfach so schlecht? Wieder einmal hatte Torben ein schlechtes Gewissen, das er viel zu selten zuhause ist. Aber sosehr er auch seine Familie liebte, würde er es nicht aushalten an einem Ort gebunden – gefangen zu sein. Es war seltsam, jedes Mal wenn er zuhause war, wollte er seine Freiheit genießen, wenn er aber unterwegs war, verging keine Sekunde an die er nicht an seine Familie dachte.

Nachdem Torben nun auch die anderen Kinder begrüßt hatte, griff er nach einem Krug Met und seinem Trinkhorn und machte es sich an dem großen Eichentisch in der Mitte des Raumes bequem. Sofort stritten sich die Kinder darum, wer auf seinem Schoß sitzen durfte, Anhe und He-Sche lachten triumphierend, als Torben je eine von ihnen auf seinen Oberschenkeln setzte. Die restlichen Kinder platzierten sich rund um ihn herum, um ihm von ihren Abenteuern und Entdeckungen zu erzählen die sie in seiner Abwesenheit machten. Torben lachte bei den Erzählungen seiner Kinder immer wieder fröhlich auf.

Als es dann endlich Abend wurde, schickte Yako ihre Kinder ins Bett. Trotz der heftigen Proteste schaffte sie es schließlich mit Torbens Hilfe die Rasselbande ins Schlafzimmer zu verfrachten und nach einer kurzen Gutenachtgeschichte von Torben schliefen sie auch bald ein.

Torbens Geschichte

Als sie dann wieder in die Wohnküche zurückkamen hatte sich schon das gesamte Dorf dort versammelt. Torben begrüßte alle nochmals um dann schließlich mit dem Erzählen zu beginnen:

„[…]Nachdem uns die Praioten ziehen ließen, machten wir uns auf den Weg zurück nach Baliho. Wir hofften noch immer, dass es Mutter Linei vielleicht doch irgendwie nachhause geschafft hatte.

Auf dem Weg war die Stimmung von uns allen sehr betrübt. Zwar hatten wir die beiden Magier getötet, doch bestand Ginaya noch immer darauf, dass sie eine der Gezeichneten wäre und das Borbarad irgendwo da draußen sei. Hinzu kam, dass wir immer noch nicht wussten, was mit ihrem Auge los ist, weder Grim, der sich hingebungsvoll um sie kümmerte, noch Aridhel mit seiner Magie, konnten verhindern, dass sie langsam ihr Augenlicht auf dem linken Auge verlor. Wir alle konnten selbst noch nicht glauben, wie sehr wir doch in dieser niederhöllischen Gegend gealtert sind. Auch diesmal war Ginaya diejenige, die es am härtesten getroffen hatte. Wünschten sie und Grim sich doch Kinder. Zumindest waren die Träume verschwunden, die uns alle sosehr belastet hatten. So froh wir im ersten Moment darüber waren, beunruhigte es uns dann doch, dass wir überhaupt nicht mehr träumten, keiner von uns.

In Baliho angekommen, besuchten wir als erstes den Traviatempel, dort mussten wir erfahren, dass Mutter Linei immer noch nicht aufgetaucht sei. Wir alle wussten, dass sie es wohl nicht geschafft hatte, auch wenn es keiner von uns aussprach.

In den nächsten Tagen, versuchten wir mehr darüber herauszufinden, was dort auf der Sichelwacht überhaupt geschehen ist. Aber nirgends konnten wir eine befriedigende Antwort erhalten. Am 25. Rahja holten wir dann endlich die Feier zu ehren von Ginaya und Grim nach. Es tat gut, einmal alles zu vergessen und nur für den Augenblick zu leben, das Leben mit seinen Freunden zu genießen.

Wir warteten die namenlosen Tage in Baliho ab, in denen Ginaya endgültig ihr Augenlicht verlor. Am ersten Praios erfuhren wir dann, dass die Spektabilität von Punin angeblich in Salthel sei, worauf Ginaya und Aridhel beschlossen nach Salthel zurückzukehren, um dort mit dem mächtigen Magier Kontakt aufzunehmen. Der Rest von uns entschloss sich währenddessen nach Trallop, der Hauptstadt Weidens weiterzuziehen. Als wir in Braunsfurt wieder auf unsere beiden Gefährten stießen, erzählten sie uns enttäuscht, dass sie die Spektabilität nicht angetroffen hatten. Ginaya trug mittlerweile eine Augenklappe, anscheinend konnte ein Gardist seine Zunge nicht im Zaun halten. Ein Glück, dass Grim nicht in der Nähe war. Das einzige was sie erfuhren war, dass die Sichelwacht gesperrt war und das sich Bannstrahler, Weidener Rundhelme sowie Drakoniter dort sammelten.

Auch in Trallop konnten wir nichts Neues erfahren. Da ich mich aber schon sehr nach meiner Familie sehnte, erklärte ich den anderen, dass ich nach Kendrar zurückkehren werde. Anfangs versuchten sie mich zu überzeugen, bei ihnen zu bleiben, damit wir gegen die drohende Gefahr gewappnet wären. Aber ich hielt es nicht länger aus, zu sehr wurde mir in diesen Tagen auf der Sichelwacht meine Sterblichkeit bewusst. Ich konnte nicht riskieren meine Kinder nicht mehr zu sehen. Schließlich hatten auch die Anderen ein Einsehen und beschlossen mich zumindest bis nach Wehrheim zu begleiten, von dort wollten sie weiter bis nach Punin ziehen.

Am Tag vor unserer Abreise rief uns alle dann Ginaya in das Zimmer von ihr und Grim. Dort nahm sie dann ihre Augenklappe ab. Ich brachte vor Schreck kein Wort heraus, dort wo einst ihr linkes Auge war, strahlte plötzlich ein roter Rubin und nicht nur das. Sie konnte außerdem mit diesem Edelstein sehen! Außerdem schien sie neue Fähigkeiten zu besitzen, so konnte sie plötzlich in die Vergangenheit sehen! Es war doch sehr beunruhigend.

Als wir dann endlich aufbrachen konnte es mir nicht schnell genug gehen. Ich wollte endlich diese verfluchte Grafschaft verlassen. Am dritten Tag unserer Reise berichtete Ginaya dann von einem Traum den sie hatte. Es war das erste Mal seit der Sichelwacht, dass jemand von uns träumte. Sie sprach von Spinnen, die zwischen den Sternen ihre Netze webten. Vermutlich nur irgendein bedeutungsloser Traum, wie er doch so oft zu einem kommt. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich bis heute noch nicht wieder geträumt hatte.

In Wehrheim verließ ich dann meine Gefährten. Ich hörte mich in der Stadt ein wenig um, bis ich auf einen wohlhabenden Bürger stieß, der nach Greifenfurt reisen sollte. Offenbar hatte er sich dort neuen Grundbesitz gekauft, der nach dem Orkensturm günstig zu haben war. Ich lies mich von ihm als Leibwächter anheuern. So konnte ich auf dem Heimweg noch etwas Geld verdienen, außerdem gab es in der Gegend immer noch Überfälle und so war es sicherer in einer Gruppe, neben mir hatte er noch 2 weitere Kämpfer beauftragt, zu reisen.

Auch von Greifenfurt nach Andergast konnte ich mich als Söldner bei einer Handelskarawane anheuern lassen. Von dort allerdings musste ich alleine weiterziehen. Am Thuransee hörten wir seltsame Geschichte über einen Sturm, der über dem See getobt haben sollte, ich versuchte näheres darüber herauszufinden, konnte das mit den Beschwörungsversuchen Liscom’s zusammenhängen? Doch ich konnte nichts erfahren, dass darauf hingewiesen hätte. Als ich durch Nostria zog hörte ich von beunruhigenden Neuigkeiten aus Salza, anscheinend wandelten dort Gestaltlose durch die Straßen woraufhin die Thorwaler aus der Stadt flohen und Salza wieder in die Hände Nostrias fiel.

Tatsächlich sah ich als ich dann durch die Straßen Salzas ritt keinen einzigen Thorwaler auf der Straße, die wenigen Einheimischen, die bereit waren mit mir zu sprechen, sprachen von Geistern, die einen ganzen Praioslauf lang, in den Straßen herumirrten. Nun konnte mich nichts mehr halten, die letzten Meilen nach Kendrar legte ich im Eilritt zurück. Fürchtete ich doch, dass auch euch irgendein Unheil erreicht hatte.“

Torbens Aufenthalt in Thorwal

Die nächsten Tage blieb Torben zuhause um sich im Kreise seiner Familie zu erholen. Außerdem gab es in dem kleinen Dorf immer etwas zu tun. Irgendwer war immer dabei sein Haus zu renovieren oder neu zu bauen. Auch auf den Feldern rund um das Dorf wurde immer wieder Hilfe gebraucht. Die Abende widmete er ganz seinen Kindern, die Nächte gehörten seiner Frau.

Ende Rondra zog Torben wieder nach Kendrar um sich dort Arbeit als Söldner zu verschaffen. Er hatte Glück, er konnte bei einer Karawane anheuern, die auf dem Weg nach Phexcaer, mitten im Orkland, war. Auf dem Rückweg von Phexcaer besuchte er in der Stadt Thorwal Grim’s Familie um ihnen zu versichern, dass es ihrem Sohn, abgesehen von ein paar neuen grauen Haaren, gut ging. Danach traf er sich auch noch mit Phileasson um ihn die neusten Ereignisse zu schildern und um seinen Rat zu erbitten. Der Abend endete in einem feucht-fröhlichen Besäufnis, sodass Torben die Nacht in Phileasons Haus verbrachte und erst am nächsten Tag wieder heimkehrte.

Er war gerade erst wieder ins Dorf zurückgekehrt, als Aridhel und Joela zu besuch kamen. Die beiden hatten die Vorfälle in Salza und am Thuransee überprüft, aber leider erfuhren auch sie nicht mehr. Leider konnten die beiden nur kurz bleiben, wollten sie doch so schnell wie möglich nach Punin zurück um weitere Informationen zu beschaffen.

An einem Morgen, wenige Tage später wurde Torbens Frühstück jäh unterbrochen als Asleif aufgeregt schreiend ins Haus gerannt kam. „Da kommt ein Reiter!“ verkündete er lautstark. Torben verlies den Frühstückstisch und ging den anstürmenden Reiter ein paar Schritte entgegen. Der Reiter zügelte im letzten Moment vor ihm das Pferd, „Torben? Torben von Kendrar?“ fragte er. „Ja, das bin ich.“, antwortete Torben perplex, während er auf die Schulter des Mannes starrte. Der prächtige Reiter in einer auffälligen Uniform, die Torben unbekannt war, übergab ihm ein Schriftstück, erst danach zog er sich einen Pfeil aus seiner linken Schulter. Noch ehe Torben irgendetwas sagen konnte, hatte der Beilunker sein Pferd gewendet und galoppierte wieder in die Richtung aus der er gekommen war.

Besorgt sah Yako auf ihren Mann, sie hatte ein schreckliches Gefühl, dieser Brief konnte kaum gute Nachrichten enthalten.

„Es ist vom Herzog von Weiden!“, stellte Torben überrascht fest. „Er verspricht mir 10 Dukaten, falls ich bis Mitte Travia auf die Bärenburg kommen sollte.“ „Du musst nicht gehen, dass weißt du!“, antwortete Yako. „Natürlich, aber wir können das Geld gut gebrauchen.“ Entgegnete ihr Torben. „Du kannst auch hier in der Nähe als Söldner arbeiten.“, versuchte Yako ihn zu überzeugen, nicht wieder in die Ferne zu reisen. „Der Herzog zahlt mir schon 10 Dukaten nur dafür, dass ich komme, wie viel wird er erst für den Auftrag bezahlen?“, erwiderte Torben. „Außerdem hast du nicht gesehen was ich gesehen habe, irgendetwas braut sich dort zusammen und wenn die Prophezeiungen stimmen, dann könnte dieses etwas ganz Aventurien vernichten, auch Thorwal! Unsere Kinder wären nirgends mehr sicher!“. „Aber warum musst ausgerechnet du Aventurien retten, es sind genug andere dort die es machen könnten! Du hast selbst gesagt, dass es dort nur so von Bannstrahlern, Praioten und Magiern wimmelt! Sollen die doch diesen verdammten Magier aufhalten!“ „Aber die sind blind in ihrem Fanatismus!“, schrie Torben nun mit spürbarer Verzweiflung, „Sie ignorieren die Prophezeiungen vollkommen. Bis die merken, was los ist könnte es schon zu spät sein.“ Torben stapfte ins Haus um seine Sachen zusammenzupacken. Aus den Augenwinkel sah er Rahjalieb und Anhe wie sie erschrocken mit Tränen in den Augen ihren Eltern beim streiten zusahen. „Wieso denkst du, dass gerade du das alles aufhalten kannst? Du bist zäh und stark, zweifellos, aber du bist trotz allem sterblich! Die Kinder brauchen einen Vater und ich will nicht als verbitterte Witwe enden!“ „Ich weiß nicht ob ich es aufhalten kann, aber eben weil ich Vater bin muss ich es zumindest probieren. Schließlich sollen sie in einer sicheren Welt aufwachen.“, er versuchte Yako zum Abschied zu küssen, sie drehte sich hingegen weg und zeigte ihm die kalte Schulter. „Ich werde zurückkommen, ich verspreche es dir.“, flüsterte er ihr leise ins Ohr. Sie blickte mit Tränen in den Augen bewegungslos auf den Boden.

Torben streichelte ihr nochmals übers Haar, wieder zuckte sie unter seiner Berührung zurück und verlies den Raum. Torben rief Miniwatu und Frenjar und beauftragte sie, sein Pferd zu satteln. Nachdem die beiden das Haus Richtung Stall verlassen hatten, verabschiedete er sich von jedem seiner Kinder mit einem Kuss. „Ich will nicht, dass du gehst!“, schluchzte ihm Rahjalieb ins Ohr, während sie mit aller Kraft ihre Arme um ihn schlang. „Ich weiß, ich will auch nicht gehen. Aber ich muss.“, antwortete er leise. Sich aus ihrer Umarmung zu befreien war schwieriger als sich aus den Scheren eines Schrötters zu winden.

Als er sich zu Asleif duckte um auch ihn zu umarmen. Sah er in ein wütendes, tränenübersätes Gesicht, noch bevor er ihn in seine Arme schließen konnte, rannte er weg um in die Arme seiner Mutter zu fliehen, die sofort anfing ihn zu trösten. Während sie einen strafenden Blick auf ihren Mann warf. Mit hängendem Kopf verlies Torben ohne ein weiteres Wort zu sagen das Haus, vor dem seine beiden ältesten Söhne mit dem fertig aufgezäumten Pferd standen. Auch die beiden betrachteten unglücklich den Boden. Torben schloss beide in die Arme, „Macht eurer Mutter keinen Kummer.“, sagte er mit schwacher Stimme, nachdem er jedem von ihnen einen Kuss auf die Wange gegeben hatte. Die beiden nickten nur stumm, danach schwang sich Torben auf sein Pferd um davonzutraben.

Als er sich nach einiger Zeit umdrehte sah er Miniwatu und Frenjar wie sie Sindara und Huka in den Armen hielten, neben ihnen standen Rahjalieb, Melina, He-Sche und Anhe, Askir stolperte nach ein paar Schritten als er versuchte Torben zu folgen. Weder von Yako noch von Asleif war etwas zu sehen. Torben winkte seinen Kindern nochmals, bevor er endgültig sein Pferd wendete und im Galopp davon hastete.